Am Samstag den 16.02.2013 war es wieder mal so weit. Diesmal konnten wir uns zurück lehnen und mal aus der Perspektive der Besucher den Ausrichtern/Veranstalter der Regional-Fotoschau West 2013 zusehen. Für 2013 hatte sich die Fotogruppe Worms dieser Tortur unterworfen.In 2011 waren wir, die Fotogruppe Hohenbudberg und Viersen, Ausrichter der sehr erfolgreichen Regional-Fotoschau West 2011.

Zwei Medaillen (es gab keine Einteilung in Gold, Silber usw.) konnte die Fotogruppe Viersen mit nach Hause nehmen. So gewann Peter Reichert mit seinem Bild „Niederrheinwinter“, passend zur aktuellen Jahreszeit, einen Spitzenplatz in der Kategorie freies Thema. Ebenfalls eine Medaille holte in der Jugend im freien Thema Martin Camps mit seinem Bild „Zelt am Strand“.

Mit weiteren fünf Annahmen bei Thema Eisenbahn, davon eine Jugend, sowie drei Annahmen beim freien Thema, davon eine Jugend, belegte die Fotogruppe Viersen den 5 Platz. Punktgleich mit der Fotogruppe Hohenbudberg belegten wir Platz 6, ohne Berücksichtigung der Jungend-Ergebnisse. Diese beiden Gruppen hielten das Fähnlein für den Bezirk Köln hoch, da sich die FG Köln nicht beteiligt hatte. Eine Annahme ging noch an die FG Wuppertal.

Im Vergleich zu 2011 eine bescheidene Leistung. Dort belegte die Fotogruppe Viersen den 3. Platz mit der Fotogruppe Essen.

Der Grund ist jedoch schnell gefunden.

Auf Initiative des Bezirkes Essen musste die Fotogruppe Worms bei diesem Wettbewerb den „digitalen Workflow“ in einem, wir mir scheint, misslungenen Feldversuch bis kurz vor der Ausstellungseröffnung quälen. D. h. der Medienbruch soll erst jetzt kurz vor der Ausstellungseröffnung erfolgen. Für Fotografen mit Herzblut für schön ausgearbeitete Aufsichtsbilder ein Schock fürs Leben! So verweigerte sich schon die Fotogruppe Köln im Vorfeld an der Teilnahme dieser Veranstaltung, nahm jedoch geschlossen an der Jurierung in Worms teil. Respekt!

Die Jurierung am Samstag den 16.02.2013 fand dann also in fasst tiefster Dunkelheit vor einem 16:9 DLP-Beamer im Tagungszentrum „Das Wormers“ statt. Die Größe der projizierten Bilder kam, in Relation zu den Räumlichkeiten, nicht über die heimische Wohnzimmergröße hinaus.

Alleine schon der Umstand, dass in der Jurierung projizierte Bilder bewertet wurden und diese nun erst in das gedruckte Medium überführt werden, lässt bei den Kritikern dieser Veranstaltungsform die Objektivität dieser Bewertung bezweifeln. Es erfolgte somit eine reine inhaltliche Wertung der Werke, was natürlich bei jeder Jurierung primär den Hauptanteil der Gesamtbewertung ausmachen sollte 🙂 Alles andere wäre nur was für Technik-Nerds.wpid2017-2014_Vatertag_IMG_7152-Bearbeitet.jpg

Nicht das wir uns falsch verstehen, Seit Jahren ist es zumindest beim Bundeswetter Usus, das neben den Aufsichtsbildern auch rein digitale Bilder so juriert und auch anschließend in diesem Medium gefangen präsentiert werden. Daneben existiert aber weiterhin der Strang der Aufsichtsbilder, welche zwar aufwendig vorbereitet und juriert werden müssen, im Anschluss nach der Jurierung jedoch nicht in veränderter Präsentationsform wiedergegeben werden. Diese jurierten Ergebnisse der digitalen Bilder sind dann nur betrachtbar unter erheblichem technischem Einsatz (dunkler Raum, Beamer, Leinwand usw.). O.K. bei den Aufsichtsbildern sind diese dann nur unter erheblich räumlichen Aufwand betrachtbar 😉

Es liegt bei dem Bundeswettbewerb in der Verantwortung eines jeden Autors, welchen Weg er für seine Bilder als Wettbewerbsbeitrag einschlägt.

Die beiden großen Todschlagargument der beiden Fraktionen im Vorfeld der teils hitzigen Diskussionen zu dieser Veranstaltung war bei den Befürwortern so, dass viele Fotografen Bilder Ausbelichten lassen, diese dann umständlich auf einen Trägerkarton aufziehen und evtl. noch mit einem Passepartout versehen müssen und dann letztendlich nicht die 100% Gewissheit haben, dass ihre Einsendung jemals in der Ausstellung landen.

Die Kontrafraktion sah den ganz großen Nachteil in der absoluten Unkontrolliertheit der Farb- und Qualitätswiedergabe der Werke, welch von Projektor zu Projektor physikalisch sowie von den örtlichen Gegebenheiten abhängig ist. Geschweige, dass die nachher zu Papier gebrachten Bilder überhaupt den projizierten Bildern ähnlich wären.

Natürlich überzeichnen beide Seiten gerne Ihren Standpunkt. Die Profraktion sieht ihr Hobby als üble Last an und die Kontrafraktion verläuft sich zu sehr in vielen kleinen technischen Details, die im Endeffekt nur noch Nuancen oder das Zünglein an der Waage der Entscheidung der Juroren wären.

Ich selber bin kein großer Freund der digital projizierten Bilder. Es ist zwar schön im großen Kreis mit Fotofreunden über Bilder auf der großen Leinwand zu Fachsimpeln aber letztendlich erfreue ich mich lieber an einem schön ausgearbeiteten großen Aufsichtsbild. Hier kann ich nach Herzenslust und ohne Zeitdruck den Blick walten lassen. Es bereitet mir immer wieder eine Freude auf Ausstellungen nicht durch Musiksoße untermalte (im BSW-Bereich kenne ich mittlerweile die unisono klingende H…-Musik), in Zeithäppchen unterteilte lose Folge von Bildern betrachten zu müssen, sondern mit Zeit und Muße die Werke der anderen Autoren zu bestaunen und zu analysieren. In der reinen digitalen Welt fühle ich mich immer so fremdbestimmt.

Völlig anders ist dies natürlich bei den Tonbildschauen. Diese, manchmal liebevoll genannt „Film für Arme“ (da die Bildwechselfrequenz unter 18 Bilder pro Sekunde fällt), ist als Gesamtkunstwerk so zu genießen. Und es erfreut immer wieder, was für kreative Werke bei diesen Tonbildschauen auftauchen.

Auch der Ablauf zwischen der Jurierung digitaler Projektion und dem Vorzeigen der Aufsichtsbilder ist ein himmelweiter Unterschied! An diesem Samstag kam einem die Jurierung sehr kühl, emotionslos und technisiert vor. Die Juroren sitzen mit dem Rücken zum Publikum und das anschließende Ausdiskutieren der besonderen Auszeichnungen wie Medaille und Urkunde kam mir vor wie ein Twitterblog. Es wurden kleine Bilder auf einem digitalen Leuchttisch vorbetrachte, welche dann einzeln vergrößert angezeigt wurden.

Bei den Aufsichtsbildern ist es so, dass diese in vollem Format ausgelegt werden und die Juroren sich frei im Raum der Aufgabe der besonderen Auszeichnungen widmen können. Das schöne für die Besucher ist dann, den Juroren bei ihrer Diskussion zuzuhören und dadurch auch irgendwie den Blick der Juroren zu lernen um evtl. im nächsten Anlauf mit anderem Wissen gestärkt in den Wettbewerb gehen zu können.

Wenn dies die Zukunft der Wettbewerbsfotografie im BSW sein sollte, sind wir auch hier in der neuen Medienkonsumgesellschaft angekommen! Einfach kurz vor Wettbewerbstermin die fünf Bilder am Monitor zusammengeklickt und weg damit. So war es zumindest in meinem Fall, da ich mich mit dieser Form so irgendwie nicht anfreunden kann. Und wenn man den Querschnitt der Bilder und die Punkte mit der letzten REFO 2011 vergleicht, scheint das wohl die überwiegende Mehrheit so praktiziert zu haben. Irgendwie ist mir so überhaupt kein Highlight in meinem Gedächtnis geblieben. Ob es an der Form der Präsentation gelegen hat kann ich erst nach dem Besuch der Ausstellung am 20. April 2013 Uhr in der Galerie im Kunsthaus Worms beurteilen, welch um 14:00 Uhr beginnt. Aber auch hier wird wieder Fremdbestimmt, wie der Autor sein Werk zu gestalten hat. Ausschließlich weißer Passepartout-Karton ist in diesem Kunsthaus „erlaubt“. Nix gegen Passepartout, welches die Wirkung von Bildern nochmals verbessert. Aber die Farbvorgabe für den Passepartoutkarton ist wirklich suboptimal für die künstlerische Freiheit in einem Kunsthaus…

Da lobe ich mir doch unsere künstlerische Freiheit in 2011 in der Galerie der Bezirksbibliothek Rheinhausen. Aber so ist es ja immer, dass man gerne in der angeblich so guten alten Vergangenheit schwelgt… 🙂

Die nun anstehende große Herausforderung wird sein, die teilweise kräftige Farbbrillanz der projizierten Bilder zu Papier bringen zu können. Denn an den physikalischen Gesetzen der unterschiedlichen Wiedergabemedien kann auch dieser Wettbewerb nicht rütteln.

Nachgedanken von Stefan Appel.

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